Versailler Vertrag deutschlandfunk

Bei der Überreichung des Entwurfs zum Friedensvertrag von Versailles durch die Alliierten und Assoziierten Mächte sagte der deutsche Reichsaußenministers Ulrich Graf von Brockdorff-Rantzau am 7. Mai 1919 über den Vertrag: Der seit 18. Januar 1919 verhandelte Friedensvertrag zwischen dem Deutschen Reich und den Alliierten wurde am 28. Juni 1919 unterzeichnet und trat am 10. Januar 1920 in Kraft. Der Vertrag sah unter anderem Gebietsabtretungen und Reparationszahlungen, die Auslieferung von Kriegsverbrechern und die Reduzierung der Truppenstärke vor. Der Friedensvertrag erwies sich als schwere Hypothek für die Weimarer Republik, da ihn nationale Kräfte gegen die demokratische Staatsform instrumentalisierten. Die Bestimmungen des Friedensvertrags betrafen auch Bayern und vor allem die Rheinpfalz. Bereits nach der Unterzeichnung des Waffenstillstandes am 11. November 1918 hatten die unmittelbaren Maßnahmen der Alliierten auch Bayern betroffen. Die Ablieferung von Eisenbahnmaterial schloss anteilig die bayerische Staatsbahn, die Ablieferung von Handelsschiffen die bayerische Flussschifffahrt mit ein.

Das Rheinland wurde von den Alliierten besetzt, französische Truppen besetzten die bayerische Pfalz. Erst nach 15 Jahren sollte der Besatzungszustand nach der Erfüllung aller Bestimmungen des Friedensvertrages enden und das Gebiet anschließend entmilitarisiert werden. Die Besatzer verboten in der Pfalz sofort sämtliche politische Versammlungen und Vereinigungen. Der bayerische Regierungspräsident Theodor von Winterstein (1861-1945) wurde im Amt belassen, ohne jedoch weiterhin Weisungen aus München annehmen zu dürfen. Als man sich den von französischer Seite unterstützten und geförderten Versuchen widersetzte, die Pfalz als eigenständigen Staat aus Deutschland herauszulösen, wurden hohe bayerische Beamte, zu denen auch Winterstein zählte, aus der Pfalz ausgewiesen. Um sich für die Belange und Interessen der Pfalz einsetzen zu können, war Bayern in der Folge auf eine enge Zusammenarbeit mit der Reichsregierung angewiesen. Der Friedensvertrag von Versailles wird in der heutigen Forschung gleichermaßen als zu hart und zu milde bewertet. Das Vertragswerk erwies sich ohne Zweifel als eine schwere Bürde für die junge deutsche Demokratie. Gleichzeitig waren die Bedingungen des Friedensvertrages aber weniger rigoros ausgefallen, als dies aufgrund der Gegebenheiten möglich gewesen wäre. Der Vertrag besaß durchaus einen Kompromisscharakter, wenn er auch nicht den deutschen, realitätsfernen Hoffnungen auf einen milden „Wilson-Frieden” entsprach. Das Deutsche Reich konnte trotz des Vertrages seinen Status als europäische Großmacht behalten und man hätte, bei geduldigem Vorgehen, auf längere Sicht wieder eine aktive Rolle in der europäischen Politik spielen können.